Hustler und Playboy: Die Geschichte der Männermagazine
Playboy und Hustler sind die zwei bekanntesten Männermagazine der Geschichte. Der Playboy erschien erstmals im Dezember 1953 und machte Erotik mit Hochglanz, Interviews und Literatur salonfähig. Das Hustler Magazin von Larry Flynt folgte 1974 als derber Gegenentwurf. Zusammen haben beide Hefte bestimmt, wie Erotik vermarktet wird, und vor Gericht die Grenzen der Pressefreiheit verschoben.
Die Anfänge: Playboy in den 1950er-Jahren
Wenn du nach "Playboy 1950" suchst, landest du genau genommen bei einem Heft vom Ende des Jahrzehnts. Hugh Hefner brachte die erste Ausgabe im Dezember 1953 heraus. Sie trug kein Datum, weil Hefner nicht sicher war, ob es eine zweite Ausgabe geben würde. Auf dem Titel und im Inneren war Marilyn Monroe zu sehen. Die Aufnahmen stammten aus einer älteren Fotosession für einen Kalender, Monroe hatte dafür nicht eigens posiert.
Das Konzept war für die konservativen USA der 1950er-Jahre gewagt: ein Heft für den städtischen Mann, das Mode, Jazz, Cocktails, Kurzgeschichten und nackte Haut zusammenbrachte. Die Botschaft lautete: Erotik gehört zu einem kultivierten Lebensstil, sie ist nichts, wofür man sich schämen muss. Das Logo mit dem Hasen im Smoking wurde schnell zu einer der bekanntesten Marken der Welt.
Was den frühen Playboy ausmachte
- Das Centerfold: Die ausklappbare Mittelseite mit dem "Playmate of the Month" wurde zum Markenzeichen.
- Das "Girl next door": Statt unnahbarer Diven zeigte das Heft Frauen, die nahbar und natürlich wirken sollten.
- Anspruchsvolle Texte: Kurzgeschichten bekannter Autoren und später das ausführliche Playboy-Interview gaben dem Heft Gewicht. Der Spruch "Ich lese ihn nur wegen der Artikel" entstand nicht ohne Grund.
- Ästhetik: Weiches Licht, inszenierte Posen, viel Dessous und Andeutung statt Direktheit. Mehr zu dieser Bildsprache findest du in unserem Artikel über Nude Art und Aktfotografie.
Die 1960er und 1970er: Expansion und Konkurrenz
In den 1960er-Jahren wurde Playboy zum Imperium. Ab 1960 eröffneten die Playboy Clubs mit ihren berühmten Bunny-Kellnerinnen, dazu kamen Fernsehsendungen, Merchandising und die Playboy Mansion als Partymythos. Die sexuelle Revolution spielte dem Heft in die Karten, und Hefner inszenierte sich als Vorreiter einer freieren Moral.
Mit dem Erfolg kam Konkurrenz. Bob Guccione startete Penthouse zuerst in Großbritannien und ab 1969 auch in den USA. Penthouse war direkter und zeigte mehr als der Playboy. Die Folge war ein Wettlauf, den die US-Presse damals spöttisch als "Pubic Wars" bezeichnete: Jedes Heft versuchte, das andere ein Stück weit zu übertreffen. In Deutschland startete 1972 eine eigene Playboy-Ausgabe, die bis heute erscheint und lokale Prominente aufs Cover holt.
Das Hustler Magazin: der laute Gegenentwurf
Larry Flynt betrieb in Ohio Stripclubs namens Hustler und verschickte zunächst einen Newsletter an seine Gäste. Daraus wurde 1974 das Hustler Magazin. Flynt hielt nichts vom feinen Image des Playboy. Er sprach von einem Heft für den Arbeiter, nicht für den Mann mit Cocktailglas und Seidenschal.
Wie sich Hustler vom Playboy unterschied
| Merkmal | Playboy | Hustler |
|---|---|---|
| Start | Dezember 1953 | 1974 |
| Gründer | Hugh Hefner | Larry Flynt |
| Zielgruppe | Gebildeter Großstädter, Lifestyle-orientiert | Bewusst bodenständig, "der einfache Mann" |
| Bildsprache | Weich, ästhetisch, andeutend | Deutlich expliziter, ungeschönt |
| Ton | Elegant, intellektueller Anspruch | Satirisch, provokant, oft geschmacklos mit Absicht |
| Spätere Geschäfte | Clubs, TV, Lizenzen, Mode | Videoproduktion, Läden, TV-Kanäle, Casinos |
Larry Flynt und die Pressefreiheit
Kein anderer Verleger der Branche stand so oft vor Gericht wie Flynt. 1978 wurde er bei einem Attentat angeschossen und war danach querschnittsgelähmt. Berühmt wurde vor allem der Prozess Hustler gegen den Fernsehprediger Jerry Falwell. Hustler hatte eine derbe Parodie über Falwell veröffentlicht, Falwell klagte. 1988 entschied der Oberste Gerichtshof der USA zugunsten von Flynt: Satire über Personen des öffentlichen Lebens ist auch dann geschützt, wenn sie verletzend ist, solange niemand sie als Tatsachenbehauptung verstehen kann. Das Urteil gilt bis heute als wichtiger Baustein der Meinungsfreiheit in den USA und war die Vorlage für den Kinofilm "Larry Flynt: Die nackte Wahrheit". Flynt starb im Jahr 2021.
Vom Heft zum Film: Wie die Magazine die Pornobranche geprägt haben
Die Männermagazine waren für Jahrzehnte das Sprungbrett, über das Models ein großes Publikum erreichten. Viele Frauen, die später als Darstellerinnen bekannt wurden, standen zuerst vor der Kamera eines Magazinfotografen. Wer sich für diese Karrieren interessiert, findet in unserem Überblick der bekanntesten Pornostars viele Namen, die eng mit der Magazinwelt verbunden sind. Alle aktiven Darstellerinnen kannst du bei uns im Verzeichnis in der Liste der Pornodarstellerinnen durchstöbern.
Hustler ging dabei einen Schritt weiter als der Playboy und baute ein eigenes Video-Label auf. Damit wurde die Marke vom Kiosk direkt in die Filmproduktion übertragen. Playboy blieb dagegen beim Softcore-Bereich und setzte auf Fernsehen und Lizenzprodukte.
Was die Branche von den Magazinen übernommen hat
- Star-System: Das "Playmate des Monats" war im Grunde das erste Modell, um Models gezielt als Marke aufzubauen.
- Markenbildung: Hase und Hustler-Schriftzug zeigten, dass ein Logo mehr wert sein kann als einzelne Inhalte.
- Typen und Nischen: Schon die Magazine bedienten unterschiedliche Vorlieben, etwa die klassische Blondine im Playboy oder deutlich freizügigere Strecken bei Hustler. Heute ist daraus ein System aus Kategorien geworden, das du bei uns unter allen Kategorien findest.
- Abo-Denken: Das monatliche Heftabo ist der Vorläufer der Mitgliedschaften auf heutigen Pornoseiten.
Playboy 1997, 2010, 2013: Die Jahrzehnte des Umbruchs
Ausgaben wie Playboy 1997, Playboy 2010 oder Playboy 2013 sind heute vor allem bei Sammlerinnen und Sammlern gefragt. Sie stehen für eine Zeit, in der das Internet die Spielregeln radikal veränderte.
Die späten 1990er
Um 1997 lag das Magazin noch an jedem Kiosk, doch das Netz wuchs rasant. Playboy setzte früh auf eine eigene Webpräsenz und auf Bezahlfernsehen. Gleichzeitig verloren gedruckte Nacktbilder ihren Seltenheitswert, weil erotische Inhalte plötzlich mit wenigen Klicks erreichbar waren.
Die Jahre um 2010
Rund um Playboy 2010 kämpften viele Printtitel mit sinkenden Auflagen und weniger Anzeigen. Hefner nahm sein Unternehmen in dieser Phase wieder vollständig unter private Kontrolle. Inhaltlich setzte das Heft verstärkt auf prominente Covergirls, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Playboy 2013 und danach
Ausgaben wie Playboy 2013 gehören zur letzten Phase des klassischen Konzepts. Kurz darauf folgte ein vielbeachteter Schritt: Die US-Ausgabe verzichtete ab 2016 für eine Weile auf vollständige Nacktheit, weil Nacktbilder im Netz ohnehin überall verfügbar seien. Das Experiment wurde wenig später zurückgenommen. Hugh Hefner starb 2017, und die US-Printausgabe wurde im Jahr 2020 als regelmäßiges Heft eingestellt. Die Marke lebt vor allem digital und über Lizenzen weiter, die deutsche Ausgabe erscheint weiterhin gedruckt.
Was vom Erbe der Männermagazine bleibt
Die großen Hefte haben ihre Vormachtstellung verloren, ihr Einfluss ist aber überall spürbar. Creator-Plattformen funktionieren im Kern wie ein persönliches Magazin-Abo: Ein Model, ein Stil, monatlicher Zugang. Wenn du sehen willst, wer diese Rolle heute übernimmt, schau in unseren Artikel über deutsche OnlyFans Creator. Auch die Lust am gedruckten Wort hat sich gehalten, wie die Geschichte der erotischen Literatur zeigt.
Kritik gab es immer: Feministische Stimmen warfen beiden Magazinen vor, Frauen auf Körper zu reduzieren, Konservative hielten sie für sittenwidrig. Gleichzeitig haben Playboy und Hustler Debatten über Sexualität, Zensur und Selbstbestimmung angestoßen, die ohne sie vermutlich später geführt worden wären.
Häufige Fragen
Wann erschien der erste Playboy?
Die erste Ausgabe kam im Dezember 1953 heraus, ohne Datum auf dem Titel. Auf dem Cover war Marilyn Monroe zu sehen. Eine Ausgabe aus dem Jahr 1950 gibt es also nicht, gemeint sind meist Hefte aus den 1950er-Jahren.
Was ist der Unterschied zwischen Playboy und Hustler Magazin?
Der Playboy setzte auf Eleganz, Lifestyle und andeutende Erotik. Das Hustler Magazin war von Anfang an expliziter, satirischer und bewusst provokant. Hustler stieg außerdem stärker in die Videoproduktion ein.
Gibt es den Playboy heute noch?
In den USA wurde die regelmäßige Printausgabe 2020 eingestellt, die Marke existiert digital weiter. Die deutsche Ausgabe erscheint weiterhin als gedrucktes Heft.
